Myopiekontrolle – Wann anfangen und wann aufhören?

Kurzsichtigkeit (Myopie) beginnt oft bereits im Grundschulalter und kann bis ins junge Erwachsenenalter fortschreiten. Viele Eltern stellen sich daher die Frage: Wann sollte mit der Myopiekontrolle begonnen werden? Und wann ist der richtige Zeitpunkt, um damit aufzuhören?
In diesem Artikel erfahren Sie, warum ein früher Start entscheidend ist, wie lange Myopiekontrollmaßnahmen sinnvoll sind und welche Anzeichen darauf hindeuten, dass sie beendet werden können.

Das Wichtigste in Kürze

Je früher, desto besser: Mit der Myopiekontrolle sollte idealerweise begonnen werden, sobald eine Kurzsichtigkeit festgestellt wird – je früher, desto größer der Effekt auf die Verlangsamung der Progression.

✔ Regelmäßige Kontrolle: Einmal begonnene Maßnahmen sollten regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

✔ Individuelle Dauer: Myopiekontrolle ist kein „Lebensprogramm“, sondern endet meist, wenn die Kurzsichtigkeit stabil bleibt – oft zwischen dem 16. und 21. Lebensjahr.

✔ Aufhören? Erst wenn es sinnvoll ist: Die Entscheidung zur Beendigung sollte immer in Absprache mit dem Augenarzt oder Optometristen/Kontaktlinsenspezialisten getroffen werden und erst erfolgen, wenn die Kurzsichtigkeit seit mindestens zwei Jahren stabil geblieben ist.

Wann mit der Myopiekontrolle beginnen?

Die klare Antwort: So früh wie möglich!
Studien zeigen, dass Kurzsichtigkeit oft im Alter von 6 bis 10 Jahren beginnt und in dieser Zeit am schnellsten voranschreitet.1 Eine frühe Intervention kann das Fortschreiten deutlich bremsen und verhindern, dass das Kind später eine hohe Myopie entwickelt.1,2

Wichtige Faktoren für einen frühen Start:

Erste Anzeichen von Kurzsichtigkeit, z. B. verschwommenes Sehen in der Ferne oder häufiges Zusammenkneifen der Augen.

Familiäre Veranlagung: Wenn ein oder beide Elternteile kurzsichtig sind, ist das Risiko für das Kind erhöht.

Viele Naharbeitsaktivitäten und wenig Zeit im Freien: Viel Lesen, Tablet-Nutzung oder Hausaufgaben ohne ausreichende Pausen in der Ferne können die Myopieprogression begünstigen.

Ein besonderer Fokus sollte auf Kinder gelegt werden, bei denen die Myopie bereits vor dem 12. Lebensjahr beginnt. In dieser Altersgruppe wachsen Kinder oft schnell – und mit ihnen auch ihre Augen, was mit einer Zunahme der Kurzsichtigkeit verbunden ist. Studien zeigen, dass die endgültige Sehstärke umso höher ausfällt, je früher die Kurzsichtigkeit einsetzt.1 Dies liegt nicht nur am schnelleren physiologischen Wachstum jüngerer Kinder, sondern auch daran, dass bis zum Erwachsenenalter mehr Zeit für eine weitere Zunahme der Kurzsichtigkeit bleibt.

Wie lange sollte die Myopiekontrolle fortgeführt werden?

Es gibt keine feste Regel, wann die Myopiekontrolle beendet werden kann – die Dauer hängt vom individuellen Verlauf der Kurzsichtigkeit ab. Generell gilt:

  • Die Kurzsichtigkeit nimmt in der Regel bis zum späten Teenageralter oder frühen Erwachsenenalter zu.
  • Meist stabilisiert sich die Kurzsichtigkeit zwischen 16 und 21 Jahren, in manchen Fällen jedoch auch erst später.
  • Eine regelmäßige Kontrolle ist wichtig, um festzustellen, ob die Kurzsichtigkeit noch fortschreitet oder bereits stabil bleibt.

Wann kann die Myopiekontrolle beendet werden?

Es gibt drei Hauptkriterien, die darauf hindeuten, dass Myopiekontrollmaßnahmen beendet werden können:

Die Myopie bleibt über zwei Jahre hinweg stabil.

Ihr Kind ist mindestens 18 Jahre alt, da das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit ab diesem Alter oft nachlässt.

Ihr Augenarzt oder Optometrist/Kontaktlinsenspezialist bestätigt, dass keine weitere Myopieprogression vorliegt.

Falls die Kurzsichtigkeit jedoch weiterhin zunimmt, sollte die Myopiekontrolle beibehalten werden. Manche jungen Erwachsene profitieren sogar nach dem 20. Lebensjahr noch von Myopiekontrollmaßnahmen, insbesondere bei später einsetzender oder hoher Kurzsichtigkeit.3,4

Was passiert nach dem Ende der Myopiekontrolle?

  • Ist die Kurzsichtigkeit seit zwei Jahren stabil, und die Maßnahme wird beendet, sollte nach sechs Monaten eine erneute Kontrolle der Sehstärke und Augenlänge erfolgen.
  • Falls eine erneute Zunahme festgestellt wird, kann die Myopiekontrolle wieder aufgenommen werden.
  • Obwohl es hierzu noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege gibt, kann ein schrittweises „Ausschleichen“ optischer Methoden sinnvoll sein. So könnte zum Beispiel die myopiekontrollierende Additionswirkung einer Kontaktlinse schrittweise reduziert werden – bei regelmäßiger Kontrolle der Sehstärke und Augenlänge.

Ebenfalls wichtig: Auch nach Beendigung der Myopiekontrolle wird eine optische Korrektur, also z. B. Kontaktlinsen oder Brille, weiterhin benötigt. Wenn Ihr Kind zum Beispiel mit seinen Nachtlinsen (Ortho-K) sehr glücklich ist, spricht nichts dagegen, diese Freiheit, tagsüber keine Sehhilfe zu benötigen, auch als Erwachsener weiterhin zur reinen Sehkorrektur zu nutzen.

Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern

Fazit:

Die Myopiekontrolle sollte so früh wie möglich beginnen – am besten direkt nach der ersten Diagnose einer Kurzsichtigkeit. Wie lange sie fortgesetzt wird, hängt davon ab, wie sich die Kurzsichtigkeit entwickelt. Regelmäßige Kontrollen sind essenziell, um sicherzustellen, dass die Maßnahme noch notwendig und wirksam ist.

Ob Ihr Kind noch eine Myopiekontrolle benötigt, sollte immer mit einem Augenarzt oder Optometristen/Kontaktlinsenspezialisten besprochen werden. Solange die Kurzsichtigkeit noch fortschreitet, gibt es keinen Grund, Maßnahmen frühzeitig zu beenden.

Fragen & Antworten

Ja, Myopiekontrolle kann das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamen, aber oft nicht vollständig stoppen. Ohne die Myopiekontrolle würde die Kurzsichtigkeit jedoch schneller und stärker zunehmen. Auch mit Myopiekontrolle kann es zu leichten Veränderungen kommen – wichtig ist, regelmäßig die Wirksamkeit zu überprüfen und gegebenenfalls die Methode anzupassen.

Ja! Studien zeigen, dass viel Zeit im Freien (mindestens zwei Stunden täglich) das Risiko für die Entstehung von Kurzsichtigkeit senken kann. Auch regelmäßige Pausen bei Naharbeiten und eine gesunde Balance zwischen digitaler Bildschirmzeit und Aktivitäten in der Ferne sind wichtige vorbeugende Maßnahmen.

Je später die Myopiekontrolle beginnt, desto mehr Kurzsichtigkeit hat sich oft schon entwickelt. Das bedeutet, dass der maximale Effekt zur Verlangsamung der Myopie geringer ausfallen kann. Trotzdem lohnt sich der Einstieg auch später noch, um das Fortschreiten so gut wie möglich zu bremsen.

Ja! Sobald die Myopie stabil ist, kann Ihr Kind ganz normale Kontaktlinsen oder Brillen zur reinen Sehkorrektur tragen. Falls Ihr Kind mit Myopiekontaktlinsen, z. B. Nachtlinsen (Ortho-K), gut zurechtkommt, kann es diese auch weiterhin nutzen – einfach zur Korrektur der Fehlsichtigkeit, auch ohne Myopiekontrolle.

Autorin
Ihre Sehtalent Expertin

Jessica Gruhl

M.Sc. Vision Science and Business (Optometry)
Spezialistin für Myopiekontrolle bei Avermann Contactlinsen

Jessica Gruhl ist Kontaktlinsen-Expertin bei Avermann Contactlinsen

Literatur

¹Hu, Y. et al. Association of Age at Myopia Onset With Risk of High Myopia in Adulthood in a 12-Year Follow-up of a Chinese Cohort. JAMA Ophthalmol. 138, 1129 (2020).

²Chua, S. Y. L. et al. Age of onset of myopia predicts risk of high myopia in later childhood in myopic Singapore children. Ophthalmic Physiol. Opt. 36, 388–394 (2016).

³Lee, S. S.-Y. et al. Incidence and Progression of Myopia in Early Adulthood. JAMA Ophthalmol. 140, 162 (2022).

⁴Moore, M., Lingham, G., Flitcroft, D. I. & Loughman, J. Patterns of Myopia Progression in European Adults. Ophthalmol. Sci. 5, 100713 (2025).

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