Schule und Sehvermögen: Kann eine unerkannte Sehschwäche die schulischen Leistungen beeinflussen?

Viele Eltern machen sich Sorgen, wenn ihr Kind in der Schule Schwierigkeiten hat. Doch wussten Sie, dass hinter Konzentrationsproblemen oder schlechteren Noten auch eine unerkannte Sehschwäche stecken kann?

In diesem Artikel erfahren Sie, wie wichtig gutes Sehen für den Lernerfolg ist, welche Anzeichen auf eine Sehschwäche hindeuten und wann ein Sehtest sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze

Sehprobleme können schulische Schwierigkeiten verursachen: Kinder mit einer unentdeckten Sehschwäche haben oft Probleme beim Lesen, Schreiben oder Konzentrieren.

Warnsignale ernst nehmen: Häufiges Blinzeln, Zusammenkneifen der Augen oder Kopfschmerzen können Anzeichen für eine unerkannte Fehlsichtigkeit sein.

Regelmäßige Sehtests sind wichtig: Ein erster Augencheck sollte bei jedem Kind kurz nach der Geburt erfolgen. Die Sehkraft sollte spätestens mit 2,5 – 3,5 Jahren überprüft und danach alle 1–2 Jahre kontrolliert werden.

Brillen oder Kontaktlinsen können helfen: Eine frühzeitige Korrektur verbessert nicht nur das Sehen, sondern kann auch das Lernen und die Konzentration positiv beeinflussen.

Warum ist gutes Sehen in der Schule so wichtig?

Ob beim Lesen an der Tafel, in Büchern oder am Tablet – rund 80 % aller Lerninhalte werden über die Augen aufgenommen. Wenn ein Kind nicht richtig sieht, kann das zu Müdigkeit, Konzentrationsproblemen oder sogar Unlust am Lernen führen.

Besonders betroffen sind:

  • Kurzsichtige Kinder (Myopie) – Sie sehen in der Nähe gut, haben aber Schwierigkeiten, die Tafel oder entfernte Objekte zu erkennen.
  • Weitsichtige Kinder (Hyperopie) – Sie müssen sich beim Lesen stark anstrengen und bekommen schneller Kopfschmerzen.
  • Kinder mit binokularen Sehproblemen – Dazu gehören z. B. Winkelfehlsichtigkeit oder Störungen in der Zusammenarbeit beider Augen, die zu Doppelbildern oder schneller Ermüdung führen können.

Ohne eine frühzeitige Korrektur kann sich eine Sehschwäche negativ auf die Lese- und Lernfähigkeit, Schreibgeschwindigkeit und die allgemeine Motivation in der Schule auswirken.

Welche Anzeichen deuten auf eine Sehschwäche hin?

Da Kinder oft nicht wissen, wie „normales“ Sehen eigentlich aussieht, äußern sie Sehprobleme selten direkt. Eltern sollten deshalb auf folgende Warnsignale achten:

👀 Anzeichen beim Sehen:

  • Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen beim Lesen oder Blick in die Ferne
  • Häufiges Reiben der Augen oder Augentränen
  • Vermehrte Lichtempfindlichkeit

📚 Anzeichen beim Lernen:

  • Schwierigkeiten beim Abschreiben von der Tafel
  • Vertauschen oder Auslassen von Buchstaben beim Lesen
  • Langsames Lesen oder schnelles Ermüden bei Hausaufgaben

👤 Körperliche Beschwerden:

  • Kopfschmerzen oder Verspannungen nach der Schule
  • Bauchschmerzen (bedingt durch Anstrengung und Stress bei visuellen Aufgaben)
  • Häufige Unruhe oder Konzentrationsprobleme im Unterricht
  • Schiefhalten des Kopfes beim Lesen oder Schreiben

Wenn Ihr Kind eines oder mehrere dieser Anzeichen zeigt, ist eine Sehüberprüfung beim Augenarzt oder Optometristen dringend zu empfehlen!

Wann sollte ein Sehtest gemacht werden?

Gutes Sehen ist für die allgemeine kindliche, aber auch die schulische Entwicklung unabdingbar. Ein erster Augencheck sollte bei jedem Kind kurz nach der Geburt erfolgen.

  • Kurz nach der Geburt, wenn Auffälligkeiten, wie trübe Augen, vorliegen.
  • Im ersten Lebensjahr, wenn es familiäre Risiken für Augenbeschwerden, wie z.B. Schielen oder Sehschwächen gibt.
  • Spätestens mit 2,5-3,5 Jahren sollte jedes Kind beim Augenarzt untersucht worden sein.
  • Vor der Einschulung: Spätestens im Vorschulalter sollte ein erster ausführlicher Sehtest erfolgen, um mögliche Sehprobleme frühzeitig zu erkennen.
  • Während der Schulzeit: Mindestens alle 1–2 Jahre, besonders wenn sich das Lernverhalten verändert oder Beschwerden auftreten.
  • Bei Beschwerden: Wenn Ihr Kind plötzlich Schwierigkeiten beim Lesen oder Abschreiben hat, sollte die Sehkraft zeitnah überprüft werden.

Ein optometrischer Sehtest umfasst nicht nur die reine Sehschärfe, sondern auch das Zusammenspiel beider Augen – ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird.

 Wie kann eine Sehschwäche korrigiert werden?

Falls eine Fehlsichtigkeit festgestellt wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Brille: Die einfachste und häufigste Lösung – besonders für den Schulalltag geeignet.
Kontaktlinsen: Besonders praktisch für ältere Kinder, die beim Sport oder Spielen mehr Bewegungsfreiheit möchten.
Myopiekontrolle: Falls eine Kurzsichtigkeit festgestellt wird, können spezielle Brillengläser, Kontaktlinsen oder Augentropfen helfen, das Fortschreiten zu verlangsamen.

Wichtig: Eine optische Korrektur verbessert nicht nur das Sehen, sondern kann auch Konzentration, Lernverhalten und sogar die Motivation in der Schule positiv beeinflussen.

Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern

Fazit

Sehprobleme sind eine häufige, aber oft übersehene Ursache für schulische Schwierigkeiten. Regelmäßige Sehtests helfen, Sehschwächen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu korrigieren.

Eltern sollten besonders auf Warnsignale wie häufiges Blinzeln, Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme achten und bei Auffälligkeiten eine augenärztliche oder optometrische Untersuchung veranlassen.

Haben Sie Fragen oder möchten Sie einen Sehtest oder eine optometrische Sehanalyse für Ihr Kind vereinbaren? Kontaktieren Sie uns – wir helfen Ihnen gerne weiter! 😊

Fragen & Antworten

Ja, definitiv! Kinder mit einer unentdeckten Fehlsichtigkeit haben oft Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, Texte flüssig zu lesen oder von der Tafel abzuschreiben. Das kann dazu führen, dass sie im Unterricht langsamer sind oder schneller ermüden. Eine rechtzeitige Korrektur mit einer Brille oder Kontaktlinsen kann das Lernen erheblich erleichtern.

Kinder wissen oft nicht, dass sie schlechter sehen als andere – sie nehmen ihr eigenes Sehen als „normal“ wahr. Deshalb ist es wichtig, auf Anzeichen wie Blinzeln, Kopfschmerzen oder Konzentrationsprobleme zu achten und regelmäßige Sehtests durchführen zu lassen.

Das hängt von der Art und Stärke der Fehlsichtigkeit ab. Bei leichten Sehschwächen kann das Kind sich möglicherweise anstrengen und seine Fehlsichtigkeit kompensieren, was jedoch auf Dauer zu Ermüdung oder Kopfschmerzen führt. Bei stärkeren Fehlsichtigkeiten ist eine Korrektur unerlässlich, um eine gesunde visuelle Entwicklung zu ermöglichen.

Ja! Sehprobleme entwickeln sich oft schleichend und können lange unbemerkt bleiben. Deshalb empfehlen Experten, spätestens im Vorschulalter eine umfassende augenärztliche Untersuchung durchführen zu lassen und die Sehkraft anschließend alle 1–2 Jahre kontrollieren zu lassen – auch ohne sichtbare oder direkt merkbare Beschwerden.

Lange Bildschirmzeiten können die Augen belasten und das Risiko für Kurzsichtigkeit (Myopie) erhöhen. Wichtig sind regelmäßige Pausen (z. B. die 20-20-20-Regel: alle 20 Minuten für 20 Sekunden in 20 Meter Entfernung schauen) sowie ausreichend Zeit im Freien, um die Augen zu entspannen.

Autorin
Ihre Sehtalent Expertin

Jessica Gruhl

M.Sc. Vision Science and Business (Optometry)
Spezialistin für Myopiekontrolle bei Avermann Contactlinsen

Jessica Gruhl ist Kontaktlinsen-Expertin bei Avermann Contactlinsen

Literatur

  1. Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. Junge Augen schützen. Available from: https://www.augeninfo.de/offen/index.php?thema=104. Accessed January 14, 2024.

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